Zu sperrig, zu umfangreich, zu komplex: Bildungsangebote für nachhaltige Entwicklung (BNE) öffentlichkeitswirksam zu vermitteln erschien den Mitarbeitenden des Heidekreises 2022 nicht gerade einfach.
Vier Jahre später sieht das ganz anders aus: Das Thema BNE und die 17 Nachhaltigkeitsziele haben einen festen Platz in der Öffentlichkeit des niedersächsischen Landkreises gefunden. Oder wie die Plattdeutschen sagen: „Beter gröön as gries“ („Besser grün als grau“).
Um das zu erreichen, hat das lokale Bildungsmanagement eine Reihe an Maßnahmen durchgeführt. Tina Rühlmann und Frank Seuberth aus der Stabsstelle Schulverwaltung, Bildung und ÖPNV berichten, was der Landkreis seit dem Start als Bildungskommune mit Schwerpunkt BNE alles in Sachen Öffentlichkeitsarbeit unternimmt und wie der Weg dahin verlief.
Eine Bildungskommune nutzt systematisches, datenbasiertes Management, um ihre Bildungsangebote vor Ort zu verbessern und verschiedene Bildungspartner:innen eng zu vernetzen. Dabei wird die Kommune unterstützt durch das gleichnamige Förderprogramm des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend und des Europäischen Sozialfonds Plus. BNE ist eines von fünf Schwerpunktthemen, das eine Bildungskommune sich selbst setzen kann.
BNE als Thema der Bildungskonferenz 2023

Los ging es mit der Bildungskonferenz im Oktober 2023: Damals startete der Heidekreis damit, die Menschen vor Ort mit BNE in Berührung zu bringen. Unter dem Motto: „Bildung von morgen beginnt heute – Bildung für nachhaltige Entwicklung, aber wie?“ wurden auf der Konferenz zwölf BNE-Themen beleuchtet. Darunter: Klimaschutz an Grundschulen, gesellschaftliche Transformation oder kinderfreundliche Kommune. Zur besseren Veranschaulichung wurde auf der Konferenz nebenher live illustriert (Graphic Recording). So erhielt das Bildungsmanagement anschaulich gezeichnete Bilder, die nach wie vor verwendet werden, u.a. in Gremiensitzungen und Broschüren.
Für die Bildungskonferenz wurden zudem große Pappwürfel mit den 17 Zielen bestellt. Diese konnten als Dekoration und für Fotos genutzt werden, unter anderem für die Presse.


Teilnehmende äußerten in mehreren Workshops auf der Bildungskonferenz 2023, dass sie sich Austausch zu BNE-Themen wünschen und gern Gleichgesinnte treffen würden. „Daraufhin haben wir im April 2024 das BNE-Netzwerk ins Leben gerufen“, erzählen Tina Rühlmann und Frank Seuberth.
Zum Netzwerk gehört u.a. die Energieagentur Heidekreis, die Volkshochschule, das Regionale Umweltbildungszentrum Heidekreis, Waldpädagogikzentren, der Naturpark Lüneburger Heide, die Kunstschule PINX und Demokratie Leben. 2026 wurde für das Netzwerk sogar ein eigenes Logo entwickelt, um den Wiedererkennungswert landkreisweit zu steigern. Im Netzwerk entstand bereits zu Beginn 2024 schnell die Idee, BNE mit einer öffentlichkeitswirksamen Aktion im Heidekreis bekannter zu machen.

Auf dem alle zwei Jahre stattfindenden „Fest der Bildung und Kultur“ in der Kreisstadt Soltau wurde 2024 das Motto „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ gesetzt. Teilnehmende Aussteller:innen konnten dem Publikum eine Mitmach-Aktion anbieten, die mit dem Motto in Zusammenhang stand. Das Ziel war, die Thematik in der Bevölkerung stärker bekannt und sie mit den vielen Facetten der 17 Nachhaltigkeitsziele vertrauter zu machen. Umgesetzt wurde dies u.a. von der Kunstschule PINX in einem Walk of Goals: Teilnehmende malten vor Ort Bilder zu den 17 Zielen, die in einem Gang aufgehängt wurden.
Digital informieren: Bildungsportal und Newsletter des Heidekreises

Im Jahr 2025 erarbeitete eine Kollegin das neue Bildungsportal des Heidekreises. Dort informiert eine eigene Unterseite zu BNE. U.a. sind dort das BNE-Netzwerk und das „Weltklimaspiel“ (buchbar über die Homepage) zu finden.
Parallel zur Erstellung des Bildungsportals wurde der Newsletter der Bildungslandschaft überarbeitet und modernisiert. Mit dem Launch der Website im Juni 2025 bekam der Quartalsnewsletter ein neues Aussehen, eine ansprechendere Menüführung und eine bessere Handhabbarkeit.
Auf jeder Veranstaltung und in jeder E-Mail aus dem Bildungsmanagement wird mit einem QR-Code für den Newsletter geworben. Stand Oktober 2026 gibt es fast 300 Abonnent:innen, darunter insbesondere Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte sowie Privatpersonen.
Zusätzlich zu den Meldungen aus der Stabsstelle Schulverwaltung, Bildung und ÖPNV liefern weitere Stellen aus der Verwaltung Meldungen für den Newsletter, darunter das Medienzentrum Heidekreis und auch das Jugendamt. Seit Februar 2025 werden ein oder mehrere SDGs regelmäßig in der Rubrik „Zahl des Quartals“ vorgestellt. So bleibt BNE dauerhaft im Blick.
Die BNE-Aktionswoche

Im BNE-Netzwerk wurde wie 2024 auch 2025 und 2026 an einer großen öffentlichkeitswirksamen Aktion gearbeitet: Das Fest der Bildung und Kultur wurde 2026 als Startdatum für eine BNE-Aktionswoche genutzt. Dafür wurde mit „Wir sind bunt“ ein BNE-nahes Motto gewählt. Unter diesem Leitmotiv konnten verschiedene Themen, wie zum Beispiel Natur- und Artenschutz, aber auch Ernährung und gesellschaftlicher Zusammenhalt und Vielfalt abgebildet werden.
In Vorbereitung auf das Fest der Bildung und Kultur führte der Heidekreis in Zusammenarbeit mit der Kunstschule PINX eine groß angelegte öffentlichkeitswirksame Aktion durch. Das Ziel war es, dass Kinder, Jugendliche und Erwachsene aus allen Gemeinden an einer gemeinsamen Kunstaktion mitwirken, die in jeder Stadt und Gemeinde sichtbar ist. Die Kunstschule PINX entwickelte dazu die Idee, dass überall bunte Fahnen gestaltet und aufgehängt werden sollten. Eine Auswahl der Fahnen sollte zum Fest der Bildung und Kultur in Soltau hängen und den Regenbogen der Vielfalt bilden. Von Februar bis Mai entstanden in Schulen, Kulturzentren und Bürgerhäusern des Heidekreises insgesamt 260 Fahnen für Frieden, Toleranz und Vielfalt, 73 davon hingen schließlich in der Soltauer Innenstadt. Zusätzlich wurden die Fahnen vor Rathäusern und Schulen in den jeweiligen Städten und Gemeinden angebracht.
Am 6. Juni 2026 fand das Fest der Bildung und Kultur schließlich statt und bildete den ersten Tag der Nachhaltigkeitswoche „Anders.Besser.Heidekreis“. Mit Hilfe des Netzwerks sowie von Veröffentlichungen im Newsletter, in Social Media und in den Printmedien gelang es den Mitarbeitenden des Bildungsmanagements, mehr als 80 Aktionen verschiedener Anbieter:innen im gesamten Heidekreis durchzuführen. Vorrausetzung für die Teilnahme war: Die Aktion sollte nach Möglichkeit kostenlos sein, offen für alle Bürger:innen (gegebenenfalls gestaffelt nach Alter) und sollte sich mindestens einem der 17 SDGs zuordnen lassen können.
Fotos von den 2023 erstellten Pappwürfeln halfen bei der Bewerbung: Mit ihnen war es leicht, in den Printmedien, dem Newsletter und auf Social-Media-Kanälen Aufmerksamkeit für die Nachhaltigkeitswoche zu gewinnen. Verstärkt wurde die Bewerbung durch die Einbindung von Mitarbeitenden aus dem Marketing des Landkreises und der Verwaltung sowie Engagierten aus dem BNE-Netzwerk: Sie nutzten zusätzlich ihre Social-Media-Kanäle.

Das wäre nicht gelungen ohne die Bereitstellung von Grafiken und Textbausteinen für Social Media durch den Heidekreis: So konnten die teilnehmenden Institutionen ihre Aktionen unkompliziert verbreiten. Durch das gleichbleibende Erscheinungsbild wurde ein Wiedererkennungseffekt erzeugt, und alle Beteiligten konnten sich gegenseitig verlinken. Im Bildungsportal wurden alle Aktionen veröffentlicht und zu jedem Angebot die passenden SDGs angezeigt.

Außerdem wurden mit Hilfe einer Grafikerin Bierdeckel zu den 17 Zielen nach dem Vorbild von 17ziele.de entworfen. Passend zum niedersächsischen Dialekt gibt es zu jedem Ziel einen passenden Spruch in Plattdeutsch. Diese Bierdeckel wurden während der Nachhaltigkeitswoche allen Partner:innen zur Verfügung gestellt, die in der Aktionswoche ein Angebot gemacht hatten.
Die Nachhaltigkeitswoche verzeichnete über 80 Aktionen und erreichte insgesamt weit über 1.500 Personen im Heidekreis. Mit dem Fest der Bildung und Kultur und den vielen offenen Aktionen dürften es noch einige mehr gewesen sein.
Fazit und nächste Schritte
Das Beispiel des Heidekreises zeigt: Eine regelmäßige, zielgruppengerechte Kommunikation schafft Aufmerksamkeit, Transparenz und Beteiligungsmöglichkeiten. Sichtbare BNE-Angebote fördern den öffentlichen Austausch und ermöglichen es Bürgerinnen und Bürgern, sich an der Weiterentwicklung von BNE in der Kommune zu beteiligen. Deshalb sollte die Vermittlung von BNE ein fester Bestandteil der eigenen Arbeit vor Ort sein.
Was die Wahl der dazu nötigen Maßnahmen angeht, können die Erkenntnisse von Tina Rühlmann und Frank Seuberth helfen: Die BNE-Woche beurteilen sie als aufwendig und zugleich wirkungsvoll: Hier wurden viele Leute erreicht und die Bandbreite von BNE-Themen und Akteuren konnte sichtbar werden. Gemeinsam mit dem BNE-Netzwerk soll bis Ende 2026 entschieden werden, ob und wann sie wiederholt wird.
Die damit verbundene Getränkeuntersetzeraktion war zwar kostspielig, kam aber sehr gut an. Letztlich bleibt unklar, welche Wirkung die Getränkedeckel über ein kurzes Schmunzeln hinaus haben.
Was die Mitarbeitenden aus dem Heidekreis unbedingt empfehlen ist die Nutzung eines eigenen Logos. Denn ein Logo bewährt sich sowohl auf Social Media als auch in den lokalen Printmedien und führt zu einem hohen Wiedererkennungseffekt. Zentral dafür ist die Zusammenarbeit mit dem lokalen Stadtmarketing bzw. der Öffentlichkeitsarbeit.
Der Newsletter aus der Bildungslandschaft soll auf jeden Fall weitergeführt werden. Auch dieser kostet Ressourcen, aber erreicht auf direktem Wege die bereits Interessierten und Aktiven mit allen Infos zu den lokalen Bildungsangeboten und Vernetzungsformaten.
Die nächsten Schritte für Tina Rühlmann und Frank Seuberth sind die weitere Entwicklung von BNE-Lernorten und die entsprechende Veröffentlichung im Bildungsportal. Zudem soll bald ein BNE-Bildungsbericht erscheinen, der landkreisweit bekannt gemacht werden soll.
Da insbesondere viele Lehrerinnen und Lehrer ein hohes Interesse an BNE zeigen, soll es bald einen BNE-Fachtag und weitere Vernetzungsmöglichkeiten für Lehrkräfte geben.
Die zwei Kolleg:innen Tina Rühlmann und Frank Seuberth aus dem Heidekreis resümieren: Die verschiedenen Produkte und Kanäle zu bespielen und aktuell zu halten, kostet zwar viel Zeit. Aber dieser Einsatz ermöglicht überhaupt erst, dass sowohl die BNE-Aktiven als auch die breitere Bevölkerung Zugang zu Informationen und zum Mitmachen bei BNE-Angeboten haben. Als Bildungskommune mit dem Schwerpunkt BNE ist der Heidekreis dabei auf einem sehr guten Weg.



