Collage aus drei Fotos vom Förderzentrum Clemens Winkler und seiner Schüler- und Lehrerschaft

Fest im Schulalltag verankert

Schulkindern vermitteln, was es für eine zukunftsfähige Gesellschaft braucht? Kein Problem am sächsischen Förderzentrum „Clemens Winkler“, wo Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) ein fester Bestandteil des Schulalltages ist. 

Im Gespräch mit FABINEK berichten Schulleiterin Ute Schnabel, Schulverwaltungsassistentin Anna Köcher und Konstantin Wunderlich-Hörsch von der Servicestelle BNE, wie BNE im Förderzentrum ganzheitlich umgesetzt wird.

Die Auseinandersetzung mit BNE in dem Förderzentrum für emotionale und soziale Entwicklung in der sächsischen Kleinstadt Brand-Erbisdorf begann nach der Corona-Pandemie, als BNE von Sachsen als Schulentwicklungsziel ausgerufen wurde. 

Anfänglich als zusätzliche Aufgabe wahrgenommen, stellte sich schnell heraus, dass viele BNE-Aktivitäten bereits Teil des Schulalltags waren und so unter dem Label BNE gebündelt werden konnten. Ein Jahresmotto wie „Wo Blumen blühen, lacht das Herz“ führte zu Projekten wie Schulgarten- und Schulhofumgestaltung oder auch mehr Aktivitäten im Bereich der Demokratiebildung.

Whole School Approach im ländlichen Raum

BNE ist in der Schule ganz im Sinne des Whole School bzw. Institution Approachs fest in die alltäglichen Abläufe integriert. Im täglich stattfindenden Ganztagsangebot gibt es für die Erst- bis Sechstklässler:innen immer wieder Angebote zu nachhaltiger Entwicklung: „Jedes Kind kann da frei wählen […] wie beispielsweise Bienenhaltung, Schulgarten und Küche“, schwärmt Anna Köcher, die am Förderzentrum als Verwaltungsassistentin arbeitet und sich zudem im Förderverein engagiert, der unter anderem Aktivitäten zu BNE finanziell unterstützt. Auch Angebote zu Müllvermeidung und Upcycling standen schon zur Auswahl. 

Drei Kinder auf einer Wiese mit jungen Bäumen

Dass die Schule dabei im ländlichen Raum agiert, ist aus Sicht von Schulleiterin Ute Schnabel ein Vorteil für BNE. So nutzen die Lehrkräfte den nah gelegenen Wald sowie den Feuerlöschteich als Lernorte. „Man muss sich kein YouTube-Video angucken, sondern da gehen wir raus“, sagt die Schulleiterin dazu.

Bei Umweltthemen allein bleibt es aber nicht: So setzt sich das Förderzentrum als Teil des Netzwerks „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ für eine demokratische Erziehung und Bildung ein und nimmt so auch die soziale Dimension von Nachhaltigkeit in den Blick.

Auch das Lehrerkollegium setzt sich mit Nachhaltigkeitsthemen auseinander: Bei einer teambildenden Maßnahme war das Ziel, mit Essensresten zu kochen. Dabei kamen auch die Kräuter des schuleigenen Gartens zum Einsatz. 

„Wenn wir einen Elternabend oder einen Tag der offenen Tür mit BNE machen, dann gibt es durchaus Eltern, die sagen, dass diese ‚woken‘ Themen nicht unbedingt sein müssen. Wenn die dann aber merken, was sich wirklich hinter BNE versteckt, dann kommt auch bei den Eltern diese Erkenntnis, dass sie das ja cool finden.“

(Schulleiterin Ute Schnabel)

Ebenso setzen sich Kollegium und Schulleitung dafür ein, bei der Elternschaft die Begeisterung für BNE zu wecken – trotz Widerständen: „Wenn wir einen Elternabend oder einen Tag der offenen Tür mit BNE machen, dann gibt es durchaus Eltern, die sagen, dass diese ‚woken‘ Themen nicht unbedingt sein müssen. Wenn die dann aber merken, was sich wirklich hinter BNE versteckt, dann kommt auch bei den Eltern diese Erkenntnis, dass sie das ja cool finden. Weil das an der Schule permanent mit dabei ist und dann machen die Eltern auch mit.“

Gruppoenfoto vor dem Schulgebäude

Erfolg dank vielfältiger Kooperationen 

Möglich werden die zahlreichen Aktionen zu BNE neben dem Engagement des Schulteams und einiger Eltern vor allem durch Kooperationen mit Partnern in der Gemeinde und im Landkreis. So arbeitet das Förderzentrum seit Jahren mit der örtlichen Bibliothek, mit Buchläden, Museen, Sportvereinen, einem Bioladen, Handwerksbetrieben, und sozialen Einrichtungen zusammen.

Szene aus einem Theaterstück: Kind auf der Bühne

Von der besonderen Zusammenarbeit mit dem Mittelsächsischen Theater berichtet Schulleiterin Ute Schnabel: „In Kooperation mit dem Thater haben wir im letzten Jahr mit unserer Schultheatergruppe das Stück ‚Der Zauberlehrling‘ auf die Bühne gebracht. Da haben wir noch ein paar mehr Rollen reingeschrieben, weil wir nicht nur zwei Leute auf der Bühne haben wollten, sondern eine ganze Klasse. Wir haben eine Überschwemmung reingebracht im Sinne von Umweltkatastrophen, dass wir da tatsächlich die Geister, die wir riefen, nicht mehr loswerden. Am Ende gab es einen Appell an das Publikum, dass ihr euch um die Umwelt kümmern müsst.“ 

Und Frau Köcher weist noch auf den Aspekt der finanziellen Bildung hin: „Die Kinder haben ihre Programmhefte selber hergestellt und die Preise für die Eintrittskarten im Unterricht kalkuliert. Die Karten mussten die Eltern dann auch an der offiziellen Theaterkasse erwerben. So hat das alles gut ineinandergegriffen: Wie gehe ich mit Geld um, wie viel müssen wir wofür einplanen, das war ein rundes Ding.“

Lotsenprojekt des Freistaats bietet Hilfestellung

Eine große Rolle hat auch die Beratung durch die externen Profis der BNE-Servicestelle der Freiberger Agenda 21 e.V. gespielt, die Bildungseinrichtungen in den Landkreisen Mittelsachsen und Erzgebirge bei der Umsetzung von BNE unterstützt. Die Servicestelle ist gemeinsam mit sieben anderen BNE-Servicestellen und einer Landeskoordinierungsstelle Teil des Sächsischen BNE-Lotsenprogramms, das von der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt ins Leben gerufen wurde. Es zielt u.a. darauf ab, Mitarbeitende von Bildungseinrichtungen zu Lots:innen für BNE zu etablieren und so die Verankerung von BNE in der jeweiligen Organisation zu unterstützen.

Die Freiberger Servicestelle hat in den letzten Jahren den Mitarbeiterstab der Förderschule unterstützt, um BNE zu verankern. Bei den dazugehörigen Weiterbildungen in Dresden konnte sich das Team mit anderen Schulen und Projektträgern über neue Ideen für den Unterricht und die Schulentwicklung austauschen. Die Servicestelle beteiligt sich auch an Aktionen wie dem Tag der offenen Tür der Schule und informiert die Besucher:innen über BNE, wie Konstantin Wunderlich-Hörsch berichtet.

Schulleiterin Ute Schnabel, Schulverwaltungsassistentin Anna Köcher und Konstantin Wunderlich-Hörsch von der Servicestelle BNE

Zusammenarbeit mit der Kommune und politische Unterstützung

Unterstützung erhält die Schule auf kommunaler Ebene vor allem in Sachen Sichtbarkeit. Der langjährige Oberbürgermeister von Brand-Erbisdorf, Martin Antonow, besucht die Schule regelmäßig, um sich Projekte anzuschauen oder um am Tag der offenen Tür des Förderzentrums teilzunehmen. Zudem darf die Schule im Amtsblatt von Brand-Erbisdorf regelmäßig von ihren Aktivitäten berichten und kann so ihre Sichtbarkeit erhöhen.

 

„Man hat schon das Gefühl, wir werden gesehen.“

(Schulverwaltungsassistentin Anna Köcher)

Auch können die Schüler:innen das Rathaus in Freiberg besichtigen und Mitarbeitende aus der Kommunalverwaltung kommen beim Vorlesetag zum Vorlesen in die Schule. Die Umgestaltung des Spielplatzes wird durch den Landkreis in seiner Funktion als Schulträger finanziell unterstützt und gemeinsam mit der Schule und der Architektin geplant. Schulverwaltungsassistentin Köcher resümiert: „Man hat schon das Gefühl, wir werden gesehen.“  

Auf Landesebene wiederum wurde einer pädagogischen Fachkraft, die sich stark für den Schulgarten engagiert, vom Landesamt für Schule und Bildung die Weiterbildung zur Gartentherapeutin finanziert. Von der Landespolitik wünscht sich die Schulleiterin kontinuierliche Unterstützung: „Ich will schon immer eine Weiterentwicklung haben. Es darf nicht sich nach hinten entwickeln, also zurückentwickeln.“

„Die Kolleginnen haben gesehen, dass diese Arbeit, die wir hier für normal halten, wertgeschätzt wird, und sie haben […] gemerkt, wie groß das ist, was wir hier machen.“

(Schulleiterin Ute Schnabel)

Auszeichnung für das BNE-Engagement

Zum Schluss stellt sich die Frage, ob das nicht alles ziemlich viel Arbeit neben dem Schullalltag ist? „Ehrlicherweise merken wir schon gar nicht mehr, dass das alles in dieses große BNE reinfließt. Wir hätten es halt so und so gemacht.“, antwortet die Schulleiterin. 

Preisverleihung 2025

Für sein Engagement erhielt das Förderzentrum Clemens Winkler im letzten Jahr sogar die „Nationale Auszeichnung – Bildung für nachhaltige Entwicklung“. Der Preis wird alle zwei Jahre von der Deutschen UNESCO-Kommission gemeinsam mit dem Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend vergeben. „Die Kolleginnen haben gesehen, dass diese Arbeit, die wir hier für normal halten, wertgeschätzt wird, und sie haben durch die Einladung zur Preisverleihung und die Bilder, die wir mitgebracht haben, gemerkt, wie groß das ist, was wir hier machen.“, erläutert Ute Schnabel. 

Ganz frisch ist zudem die Auszeichnung als „Verbraucherschule Silber“. Damit wird honoriert, dass die Schule ein reflektiertes und eigenbestimmtes Konsumverhalten ihrer Schüler:innen durch verschiedene Maßnahmen fördert.


Das Interview führte Dr. Maria Albrecht.

Bundesland
Sachsen
Handlungsfeld
Schule
Kommunenart
kreisangehörige Gemeinde
Sprache
deutsch
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