Inhaltsübersicht
Die Verankerung von Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) ist keine sich selbsterklärende Aufgabe, sondern muss argumentativ unterfüttert werden, um politische Entscheidungsträger:innen und Verwaltungsmitarbeitende zu überzeugen. Dieser Text liefert Ihnen drei zentrale Bausteine, um BNE in Ihrer Kommune zu stärken – trotz Sparzwang und politischem Druck. Wenn Sie auf eine Überschrift klicken, kommen Sie direkt zum entsprechenden Abschnitt.
1. Inhaltliche Argumente für BNE vor Ort
Bildung für nachhaltige Entwicklung ist ein Werkzeug für die sozial-ökologische Transformation. Sie vermittelt Gestaltungskompetenz, die die Widerstandskraft der Bevölkerung gegen Krisen sowie ihre demokratische Grundkompetenzen stärkt.
Wenn sich zudem Unternehmen nachhaltig ausrichten, kann dies ihre Attraktivität für Fachkräfte und Auszubildende stärken und die Kommune als Lebensort attraktiver machen. Darüber hinaus fördert BNE politische Teilhabe und die Akzeptanz nachhaltiger Politik.
2. Politik zielgruppengerecht ansprechen
Im Kreistag, Stadtrat oder im Austausch mit der Verwaltung ist es sinnvoll, die Bandbreite von BNE-Inhalten auf die politischen Schwerpunktsetzungen des Gegenübers zu beziehen und lokale Mehrwerte herauszustellen.
BNE sollte anschaulich und konkret erfahrbar gemacht werden, etwa durch haptische Materialien oder Ausschnitte aus BNE-Angeboten in Gremiensitzungen.
3. Strukturen und Netzwerke aufbauen
Eine enge Verzahnung mit anderen Bildungsthemen und Querschnittsstellen in der Verwaltung wirkt dem Eindruck entgegen, dass BNE eine zusätzliche Aufgabe ist. Gut funktionierende Netzwerke haben Strahlkraft über die Kommune hinaus und können ein Magnet für weitere Bildungsinitiativen sein.
Förderprogramme, Preise und Auszeichnungen machen das BNE-Engagement sichtbar und stärken die kommunale Außenwahrnehmung.
Dieser Text ist eine überarbeitete und erweiterte Version des Textes: „Der kommunale Mehrwert von Bildung für nachhaltige Entwicklung. Für BNE begeistern: Argumente für BNE in Ihrer Kommune“ von 2024 – Sie finden ihn unter diesem Link.
1. Inhaltliche Argumente pro BNE
Die folgenden konkret auf den Inhalt und das Ziel von BNE-Angeboten bezogenen Argumente gliedern sich in drei Punkte:
1.1 Mit Bildung die sozial-ökologische Transformation ermöglichen
Fortschreitender Klimawandel, schrumpfende Artenvielfalt, Zunahme autoritärer Denkmuster, wachsende soziale Ungleichheiten und eine insgesamt stärkere Erfahrung der Krisenhaftigkeit machen es notwendig, Bürger:innen Rüstzeug an die Hand zu geben, um aktiv mit Herausforderungen umzugehen statt abwehrend zu reagieren. Entsprechend braucht es ein Bildungsangebot, das passende Lernprozesse in Gang setzt (vgl. Freiburger Bildungsbericht 2022, S. 8) und inhaltliche Perspektiven mit kompetenzorientierter Pädagogik verbindet (vgl. Firmhofer 2025).
Die durch BNE geförderten Kompetenzen sind nicht nur wesentlich im Sinne einer ‚Persönlichkeitsentwicklung‘, sondern entsprechen den sich ändernden Bedürfnissen auf dem Arbeitsmarkt: Die mit BNE vermittelbaren ‚Soft Skills‘, wie etwa vernetztes Denken, strategische Kompetenz, Kooperationskompetenz (vgl. z. B. Firmhofer 2025, S. 7) sind auf dem Arbeitsmarkt in allen Berufsbildern nachgefragt. Daneben bietet BNE konkretes inhaltliches Wissen rund um Nachhaltigkeit, insbesondere im Bereich der nach wie vor deutlich nachgefragten sogenannten 'Grünen Berufe', die vor allem von Jugendlichen favorisiert werden (vgl. OECD 2024, S. 19).
Für Kommunen bedeutet das: BNE kann lokal als Standortfaktor genutzt werden, indem sie Fachkräfte anzieht und bindet. Kommunen, die BNE sichtbar in ihre Bildungs- und Wirtschaftsförderungsstrategien integrieren, positionieren sich als attraktive Arbeitgeber:innen und Lebensorte für nachhaltigkeitsorientierte Berufseinsteiger:innen.
1.2 Gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern
Eine kommunale Ausrichtung auf BNE kann einen wichtigen Beitrag zur Stärkung des Gemeinwesens leisten. Ein breit aufgestelltes, bedarfsorientiertes und leicht zugängliches Bildungsangebot mit Fokus auf BNE fördert das Bewusstsein für ökologische, wirtschaftliche und soziale Zusammenhänge im größeren globalen Maßstab, aber auch direkt vor Ort (vgl. Impulspapier der Nationalen Plattform BNE 2026, S. 3).
Durch BNE-Angebote können mittel- bis langfristig positive Auswirkungen auf das gesellschaftliche Zusammenleben entstehen: Sie sensibilisieren für soziale Ungleichheiten und tragen dazu bei, dass Maßnahmen zur Förderung von sozialer Gerechtigkeit auf größere Akzeptanz stoßen. Dazu gehören etwa Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe oder für Geflüchtete, Unterstützung oder Eigeninitiative im Ehrenamt, Hilfe für ältere und kranke Menschen im Umfeld u.v.m.
Ausführlich wird der Beitrag einer BNE für den gesellschaftlichen Zusammenhalt in diesem Policy Paper beschrieben, das seitens der Nationalen Plattform BNE als wichtiges Impulspapier im Mai 2026 verabschiedet wurde.
BNE fördert zudem sozio-emotionale Kompetenzen, die Vermittlung von Selbstwirksamkeit und Teilhabekompetenz, gerade auch bei teilhabeentfernten Gruppen etwa im Kontext von Inklusion oder Migration (vgl. FABINEK 2026, Veranstaltungsdokumentation).
BNE bietet Bürger:innen somit die Möglichkeit, ökonomische, soziale und politische Aspekte in ihrem Zusammenhang zu verstehen und entsprechende Gestaltungskompetenzen auszubilden. So können sie Wandlungsprozesse besser nachvollziehen und durch entsprechendes Faktenwissen auch resilienter gegenüber Verschwörungsmythen und Fake News werden (vgl. Weßels 2021, S. 379). Dabei ist es sinnvoll, gerade die positiven Motivationen für Veränderung zu betonen, d. h. BNE nicht als Mittel zur ‚Vermeidung des Schlimmsten‘ darzustellen, sondern als Möglichkeit, durch Selbstwirksamkeit und mit Zuversicht Verbundenheit zu Menschen und Natur herzustellen und die Welt optimistisch zu verändern (vgl. auch Valentin/Händel/Regelous 2026).
1.3 Beteiligung und Mitgestaltung verankern
Bildung für nachhaltige Entwicklung ist ein partizipativ ausgerichtetes Bildungskonzept. Die damit verbundene Erfahrung von Selbstwirksamkeit sowie von Mitbestimmungs- und Mitgestaltungsmöglichkeiten innerhalb der Bevölkerung trägt zur Förderung der sozialen Integration (vgl. Weßels 2021, S. 379) und des gesellschaftlichen Zusammenhalts bei.
Eine ernsthafte Einbindung von partizipativen Elementen in die Gestaltung von BNE-Angeboten ermöglicht nicht nur die Entwicklung bedarfsorientierter, innovativer und langfristig von vielen getragenen Maßnahmen, sondern kann zugleich die Akzeptanz für die Umsetzung politischer Maßnahmen im Sinne der SDGs erhöhen (vgl. Deutsche UNESCO-Kommission 2011, S. 5).
Darüber hinaus können Beteiligungsprozesse mit Akteur:innen aus den Bereichen BNE und Nachhaltigkeit nachweislich „zu einem kooperativen und auf Konsensfindung basierenden Verständnis von Politik“ (Kahlenborn et al. 2019, S. 48) beitragen. Insgesamt eröffnet BNE vielfältige Möglichkeiten, Bürger:innen in kommunale Entscheidungs- und Gestaltungsprozesse einzubeziehen, wodurch die Identifikation mit der eigenen Gemeinde gestärkt werden kann (siehe dazu Artmaier/Farke/Mögling 2023, S. 107 ff.).
Dabei ist es wichtig zu gewährleisten, dass nicht nur die 'üblichen Verdächtigen' in klassische Bürgerbeteiligungsverfahren integriert werden, sondern dass über verschiedene Zugänge ein Querschnitt von Status und Alter mitgestalten kann.
Kurz zusammengefasst:
- BNE ist ein wichtiges Werkzeug für die sozial-ökologische Transformation, sowohl im Sinne von Alltagskompetenzen und Persönlichkeitsentwicklung als auch vor dem Hintergrund sich ändernder Kompetenzbedarfe auf dem Arbeitsmarkt
- BNE unterstützt durch das Prinzip der Gestaltungskompetenz die Krisenresilienz der Bevölkerung sowie demokratische Grundkompetenzen
- Die BNE inhärente Bedeutung von Partizipation fördert Teilhabe und stärkt die Akzeptanz sozialer und ökologischer Politik vor Ort
2. Zielgruppengerechte Kommunikation
Der folgende Abschnitt bezieht sich darauf, wie Sie die Mehrwerte von BNE an die jeweilige Zielgruppe anpassen können. Er teilt sich auf in die Bereiche:
2.1 Thematisch an das demokratische Parteienspektrum anknüpfen
Häufig teilen nicht alle Fraktionen in einem Kreistag oder Stadtrat das gleiche Interesse an BNE, insbesondere dann, wenn eher die ökologische Dimension von Nachhaltigkeit als Kern einer BNE verstanden wird. Daher plädieren wir erstens dafür, die gesamte thematische Bandbreite einer BNE entlang aller SDGs zu beleuchten. Zweitens sollten demokratische Parteien mit jeweiligen thematischen Fokussierungen besonders angesprochen werden. So hat in einer Kommune der besondere Fokus auf wirtschaftliche Dimensionen einer BNE bestimmte Fraktionen besonders angesprochen, z. B. BNE im Ausbildungsbereich, die SDGs als Stellschrauben in der Berufsorientierung, die Vorteile einer lokal starken Green Economy und die inhaltliche Verbindung von BNE und MINT (vgl. dazu auch Positionspapier Bundesverband nachhaltige Wirtschaft 2021, S. 7).
In einer anderen Kommune konnte man die amtierende Stadtregierung für BNE begeistern, weil insbesondere die soziale Dimension betont wurde: Hier stehen Bildungsangebote rund um Ungleichheit, Armut, globale Zusammenarbeit und Friedensbildung im Fokus. Ebenso überzeugend kann die Betonung von Selbstwirksamkeit, Partizipation und Gestaltungskompetenz sein, um BNE besonders niedrigschwellig für teilhabeentfernte Gruppen zu gestalten.
In der Förderung der regionalen BNE-Netzwerke in Hessen für die Jahre 2025 – 2026 ist man noch einen anderen Weg gegangen: Voraussetzung für die Förderung von BNE-Projekten war die Bezugnahme auf die Begriffe „Heimat und Identität“ – zwei Ausdrücke, die man diskursiv häufig dem rechten Spektrum zuschreibt und nicht zwingend mit BNE in Verbindung bringt.
In Projekten mit Namen wie "Neue Heimat Natur – BNE-Angebote für Geflüchtete im Naturpark", "Heimat als Kreislauf. Kreislaufwirtschaft auf dem Hof", "Land-Grabbing: Wenn Heimat genommen wird", „Globale Küche – lokale Identität“ drückt sich eine Umdeutung der zwei Begriffe im Kontext der BNE-Themen aus, die eine positiv besetzte Rück-Aneignung im demokratischen Spektrum ermöglicht. Dies kann unter Umständen auch bisher nachhaltigkeitsskeptische Teile der Bevölkerung für BNE-Angebote interessieren.
2.2 An den kommunalen Markenkern anschließen
Eine weitere Möglichkeit, den unmittelbaren Mehrwert von BNE für die eigene Kommune darzustellen, ist eine Ausrichtung auf den kommunalen Markenkern. Also eine Verbindung herzustellen zwischen thematischen Schwerpunkten einer BNE und dem, was die jeweilige Gemeinde oder den Landkreis einzigartig macht und vielleicht auch das Stadtmarketing prägt.
Die drei folgenden Beispiele geben dafür Anhaltspunkte:

Beispiel 1: Weinanbau
Aus einer Weinbauregion wissen wir, dass insbesondere das Thema Wasser & Landwirtschaft beleuchtet wurde, weil der abnehmende Niederschlag die Entwicklung der Trauben beeinflusst.

Beispiel 2: Großstadt
Die Stadt Stuttgart fokussiert insbesondere auf Themen, die im großstädtischen Kontext relevant sind: Verkehr, hohe Temperaturen, Bewegung, Gesundheit u. a.

Beispiel 3: Fluss
Der Alb-Donau-Kreis (Link) hat die Gestaltung eines BNE-Spiels an den geografischen Gegebenheiten vor Ort ausgerichtet und so einen lokalen Bezug hergestellt.
Sicher gibt es auch in Ihrer Kommune Themen aus dem breiten Spektrum der Nachhaltigkeitsziele, die die Region besonders prägen und ausmachen. Hier lohnt sich ein Austausch mit den Kolleg:innen der Öffentlichkeitsarbeit oder dem Regionalmanagement. Auch eine Pilotierung anhand bereits bekannter Zielgruppen und Themen kann interessant sein: Vielleicht ist Ihre Gemeinde oder Ihr Kreis bekannt für ein besonderes Engagement im frühkindlichen Bereich oder eine breit ausgebaute Landschaft in der kulturellen Bildung. Hier lohnen sich Schulterschlüsse und spezifische Foki, die später noch auf andere Themen geweitet werden können.
2.3 BNE erfahrbar und plastisch machen
BNE ist inhaltlich und didaktisch komplex. Es bietet sich daher an, für Personen, die man von den Mehrwerten von guten BNE-Angeboten für alle überzeugen will, BNE ganz konkret erfahrbar zu machen. Bringen Sie alles, was Sie haptisch haben, in eine Ausschusssitzung mit (Postkarten, Leporellos, Give-Aways, Beschreibungen von BNE-Angeboten). Vielleicht ist es auch möglich, in Gremien zumindest Elemente aus BNE-Angeboten einzubauen, entweder methodischer Art (vgl. die Inner Development Goals) oder auch in Bezug auf konkretes Wissen zu den SDGs in Form eines Quiz, eines SDG-Glücksrads o. ä.
Wie man konkret erfahren kann, was BNE ist, können Sie auch über Bilder von stattgefundenen Projekten vor Ort zeigen (vom Schulgarten, der Streuobstwiese, dem Besuch in sozialen Einrichtungen, Unternehmen etc.). Originaltöne und Eindrücke von Kindern und Jugendlichen vermitteln den Mehrwert einer Teilnahme aus Sicht der Zielgruppe anschaulich. Evtl. könnten Sie sogar Teilnehmende eines BNE-Angebots in die Ratssitzung mitnehmen.
Kurz zusammengefasst:
- Im Kreistag, Stadtrat oder auch im Austausch mit der Amtsleitung ist es sinnvoll, die Bandbreite von BNE-Inhalten auf die politischen Schwerpunktsetzungen des Gegenübers zu beziehen und entsprechende Mehrwerte zu betonen
- Der Gewinn von BNE-Angeboten für die eigene Kommune kann herausgestellt werden, wenn ein Bezug zu den lokalen Besonderheiten und Vorzügen sowie zum Stadtmarketing hergestellt wird
- BNE ist komplex und oft schwer zugänglich, daher BNE anschaulich und konkret erfahrbar machen, indem auch Politiker:innen und Kolleg:innen entstandene Produkte, Spiele oder (Ausschnitte aus) BNE-Angebote selbst ausprobieren können
3. Strukturen und Netzwerke aufbauen
Das nachstehende Kapitel beschreibt insbesondere den Mehrwert einer breit aufgestellten lebendigen BNE-Landschaft für den Strukturaufbau innerhalb und außerhalb der Verwaltung sowie auf Effekte für die gesamte Kommune, die über das Feld von BNE hinausgehen. Es gliedert sich in die Unterthematiken
3.1 Synergien zu weiteren thematischen Feldern aufzeigen
Im Wesentlichen geht es hier darum, der politischen Spitze, aber auch Kolleg:innen in der Stadtverwaltung zu vermitteln, dass BNE kein ‚Add-On‘, keine zusätzliche Aufgabe ist, sondern bereits an vielen Stellen (und häufig unter anderen Labels) bearbeitet wird. Anders gesagt: Häufig gibt es über andere Themenbereiche bereits geschaffene Strukturen und Kontakte, an die man mit BNE andocken kann.
Die Stadt Augsburg zum Beispiel nutzt für die Sichtbarmachung der lokalen BNE-Angebote die bereits geschaffene Plattform zur kulturellen Bildung. So werden Ressourcen und bereits vorhandene Aufmerksamkeit gut genutzt.
Im Kommunalen Bildungsmanagement, vermutlich aber auch an anderer Stelle in der Bildungsverwaltung, werden vor Ort häufig Themen wie MINT, Kulturelle Bildung, Demokratiebildung und evtl. auch breitere Konzepte wie „Future Skills“ bearbeitet.
Zu allen diesen Themen werden wir bei der FABINEK im Laufe des Jahres 2026 Handreichungen veröffentlichen, die die Verbindungen und Abgrenzungen der jeweiligen Bildungsthemen zu BNE genau unter die Lupe nehmen. Sie finden sie in unserer Infothek in der Rubrik "Wege in die BNE".
Damit bestehen nicht nur Kontakte in die Bildungslandschaft, sondern es gibt bereits strategische Formate, die genutzt werden können: Bildungsleitbilder, Maßnahmenpläne, Kanäle der Öffentlichkeitsarbeit, Gremienstrukturen u.v.m.
Gerade in der gemeinsamen Bearbeitung der jeweiligen Themen zeigen sich die Mehrwerte für Bildungsanbietende und Bevölkerung, denn häufig sind Angebote nicht auf einen Bereich abgrenzbar. Trägerinstitutionen haben oft Angebote in vielen Bereichen, und Bildungsnachfragende interessieren sich eher für Inhalte und Lernziele als für Etiketten.
Neben dem Bildungssektor liegt eine enge Verzahnung mit den kommunalen Nachhaltigkeitsaktivitäten geradezu auf der Hand. BNE als ‚Werkzeug‘ einer nachhaltigen Entwicklung fördert zudem Bemühungen um die Ansiedlung einer Green Economy als Standortfaktor (vgl. Positionspapier Bundesverband nachhaltige Wirtschaft 2021 und Abschnitt 1.1). Hier wiederum schließt sich der Kreis zur beruflichen Qualifizierung: Eine enge Zusammenarbeit mit Unternehmen, Betrieben und Kammern im Bereich der Beruflichen BNE (BBNE) fördert den Schulterschluss zwischen Wirtschaft und Verwaltung/Politik.
Es bietet sich innerhalb der Verwaltung eine engere Verzahnung mit der kommunalen Wirtschaftsförderung genauso an wie mit vielen weiteren Querschnittsstellen in der Administration: Da BNE ein Thema mit vielen Anknüpfungspunkten ist, eignet es sich gut, um die kollaborativen Momente innerhalb der Verwaltung zu fördern. Neben den Akteuren aus dem Nachhaltigkeits- und Klimaschutzmanagement sind dies auch das Regionalmanagement, die Gleichstellungsbeauftragten, die Inklusionsstelle, der Migrationsbeirat, die Ehrenamtsförderung sowie die kommunalen Eigenbetriebe des Wasser-, Müll- und Energiemanagements.
Eine enge Zusammenarbeit mit der Personalabteilung fördert zudem den Wissenszuwachs zu nachhaltiger Entwicklung in der Verwaltung, z. B. über Fort- und Ausbildungsprogramme.
3.2 Kommunale Netzwerke als BNE-Multiplikatoren einsetzen
Netzwerke, die klare Aufgaben und gemeinsame Ziele haben, bieten allen Beteiligten sowie der Förderung der jeweiligen Thematik selbst eine gute Basis. Außerdem schaffen sie für die Verwaltung einen deutlichen Mehrwert: Aufgaben können geteilt und unterschiedliches Wissen zielgerichtet eingesetzt werden (vgl. Schütze 2026).
Darüber hinaus ist ein funktionales Netzwerk ein gutes Aushängeschild der Verwaltung: Was aus der Verwaltung gut koordiniert und gemanagt wird, strahlt über das Netzwerk in die gesamte Bildungslandschaft aus. Das gilt beim Thema BNE umso mehr, da es nicht nur besonders stark durch zivilgesellschaftliche Akteure getragen wird, sondern insgesamt eine hohe Vielfalt von beteiligten Gruppen aufweist (vgl. Arnoldt/Büsing/Schwab 2023, S. 52). Genau diese Breite an Stakeholdern wiederum zeigt häufig enge personelle Verflechtungen in Stadtrat oder Kreistag und kann hier den Mehrwert der kommunalen BNE-Koordination und -Verankerung gegenüber der Politik betonen. Hier rufen wir dazu auf, die Netzwerkpartner:innen explizit dafür zu sensibilisieren, bei den politischen Verantwortlichen ‚Werbung‘ zu machen.
Noch weitergedacht, kann eine gelingende Zusammenarbeit im BNE-Bereich für Bildungsakteur:innen einen kommunalen Standortfaktor ausmachen: Eine starke kommunale BNE-Bildungslandschaft bildet ein Netzwerk, in dem weitere Initiativen entstehen oder sich ansiedeln möchten – gerade auch in Bezug auf private Bildungsträger:innen und weitere bildungsnahe Unternehmen. Vielleicht lohnt es sich hier zu überlegen, mit welchen Institutionen sich die Stadt- oder Kreispolitik gerne enger verzahnen möchte und entsprechende Kooperationen über BNE anzuregen.
3.3 Förderprogramme, Auszeichnungen und Außenwirkung nutzen
Bildung für nachhaltige Entwicklung eröffnet Kommunen vielfältige Potenziale für ihre Außenwirkung. Die Positionierung als nachhaltige Kommune erhöht die Sichtbarkeit sowohl im interkommunalen Kontext als auch auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene. Dadurch wächst insgesamt die Aufmerksamkeit für kommunale Anliegen auf nationaler wie internationaler Ebene.
Durch die Teilnahme an unterschiedlichen Wettbewerben, Auszeichnungen, Förderprogrammen und Vernetzungsformaten für Kommunen, die sich mit der Umsetzung und Weiterentwicklung von BNE befassen, werden die jeweiligen Leistungen in diesem Bereich sichtbar. Gleichzeitig können sie dazu beitragen, den nachhaltigen Markenkern eines Landkreises, einer Stadt oder einer Gemeinde zu stärken.
Wie ein Blick in die qualitative Expertenbefragung des BNE-Kompetenzzentrums zeigt (vgl. Gebauer 2023), trägt die Teilnahme an Auszeichnungen innerhalb der Verwaltung zudem zu einer stärkeren Identifikation mit BNE bei. Sie erhöht die Motivation für die Umsetzung von BNE-Projekten und stärkt zugleich die Legitimation der bisherigen Arbeit gegenüber der politischen Spitze.
Kurz zusammengefasst:
- Eine enge Verzahnung mit anderen Bildungsthemen sowie Querschnittsstellen in der Verwaltung wirkt dem Eindruck entgegen, dass mit BNE ‚noch etwas‘ Zusätzliches bearbeitet werden muss; sie nutzt bereits existente Gremien, Kommunikationskanäle und Wissensschätze und fördert die Zusammenarbeit zwischen Abteilungen/Referaten
- Gut funktionierende Netzwerke haben Strahlkraft über die Bildungslandschaft hinaus und machen auch gegenüber der Politik Werbung für BNE und für die Verwaltung; zudem können sie ein Magnet für weitere Bildungsinitiativen und Bildungsträger sein
- BNE-Engagement lässt sich über viele Förderprogramme und Preise/Auszeichnungen sichtbar machen und ist ein Faktor in einer positiven kommunalen Außenwahrnehmung
Fazit
Die Verankerung von BNE ist keine sich selbsterklärende Aufgabe, sondern muss argumentativ gefüttert werden, um zu überzeugen. Inhaltliche Argumente, ein alternatives Wording und Bezugnahmen auf die jeweiligen Interessen der Zielgruppe können helfen, das Thema auf der (politischen) Tagesordnung zu halten.
Dabei ist die (wenn auch verständliche) Angst vor einer Verschlechterung kein guter Ratgeber: Wir beobachten im Austausch mit Kommunen häufig, dass man sich vor allem damit beschäftigt, was bald nicht mehr möglich sein könnte, anstatt in den Vordergrund zu stellen, was man schon erreicht hat und was sich lohnt weiterzuführen.
Deswegen gilt neben den im Text aufgeführten Argumenten: Seien Sie stolz auf das, was Sie bereits erreicht haben und präsentieren Sie es der Öffentlichkeit.
Literatur
Arnoldt, Bettina; Büsing, Lucy; Schwab, Thomas (2023): Netzwerke und Kooperation. In: Autorengruppe BNE-Kompetenzzentrum (2023): Praxishandbuch. Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Kommune gestalten. München, S. 50 – 67.
Artmaier, Lisa; Farke, Til; Mögling, Tatjana (2023): Partizipation. In: Autorengruppe BNE-Kompetenzzentrum (2023): Praxishandbuch. Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Kommune gestalten. München, S. 107 – 121.
BNW-Bundesverband nachhaltige Wirtschaft (2021): Berlin in 9 Schritten zum Hotspot der nachhaltigen Wirtschaft machen. Positionspapier. Link >>>
Deutsche UNESCO-Kommission (2011): Zukunftsfähige Kommunen: Chancen durch Bildung für nachhaltige Entwicklung. Gemeinsame Erklärung der Deutschen UNESCO-Kommission mit den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern der von der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ ausgezeichneten Kommunen. Link >>>
Firmhofer, Angela (2025): Was ist hochwertige Bildung für nachhaltige Entwicklung? Qualität von BNE erkennen und fördern. Link >>>
Freiburg i. B. (2022): 5. Freiburger Bildungsbericht. Bildung für nachhaltige Entwicklung. Link >>>
Forum Kommunen der Nationalen Plattform BNE (2022): Bildung für nachhaltige Entwicklung in kommunalen Bildungslandschaften. Link >>>
Gebauer, Ronald (2023): Kurzbericht "Auszeichnungen, Wettbewerbe und Förderprogramme". Unveröffentlichter Projektbericht zu qualitativen Auswertungen in BiNaKom.
Kahlenborn, Walter; Clausen, Jens; Behrendt, Siegfried; Göll, Edgar (2019) (Hrsg): Auf dem Weg zu einer Green Economy, Wie die sozialökologische Transformation gelingen kann. Bielefeld: transcript.
OECD (2024); Enhancing green career guidance systems for sustainable futures. Link >>>
Schütze, Lea (2026): Viele Hände, eine Richtung: Bildung für nachhaltige Entwicklung als Gemeinschaftsaufgabe. In: IM + IO, Heft 1, S. 46 – 49.
Valentin, Katrin; Händel, Marion; Regelous, Anette (2026): „Pull-Faktoren BNE - Positive Motivationen für eine Bildung für nachhaltige Entwicklung“, ZEP-Zeitschrift für internationale Bildungsforschung und Entwicklungspädagogik, 49 (3), S. 28–34. Link >>>
Weßels, Bernhard (2021): Politische Integration und politisches Engagement. In: Bundeszentrale für politische Bildung / bpb (Hrsg.): Datenreport 2021. Ein Sozialbericht für die Bundesrepublik Deutschland. Link >>>






